Poolbesitzer erwarten heute individuelle Lösungen, auch bei den Überlaufrinnen. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Rinnensystemen auf dem Markt – und zwar sowohl für Beton- als auch für Fertigbecken.

Rinnen.Vielfalt

Damit der Wasserkreislauf bei einem Schwimmbecken richtig funktionieren kann, ist neben der Einströmung die einwandfreie Wasserabführung wichtig. Im privaten Bäderbau kennt man zwei unterschiedliche Systeme: der Oberflächenreiniger, auch Skimmer genannt, der nur für das Privatbad zugelassen ist, und die Überlaufrinne. Der Skimmer stellt in jedem Fall eine gute Lösung dar, zumal moderne Breitskimmer auch einen hohen Wasserspiegel erlauben, der dem eines Beckens mit Überlaufrinne ziemlich nahe kommt. Die Frage „Skimmer oder Überlaufrinne“ ist nicht nur eine Frage des Geldbeutels, sondern auch der örtlichen Gegebenheiten. Nicht immer kann der für einen Pool mit Überlaufrinne erforderliche Schwallwasserbehälter unter Niveau des Wasserspiegels installiert werden. Platz und Zugang für die umfangreiche Verrohrung der Rinnenabläufe ist außerdem erforderlich.

Aber ohne Zweifel ist eine rings umlaufende Überflutungsrinne die bessere Lösung und das sowohl aus optischen als auch aus beckenhydraulischen Gründen. Gab es in der Vergangenheit für Privatschwimmbäder eigentlich nur das System der Wiesbadener Rinne insbesondere für Betonbecken mit Fliesenauskleidung, so gibt es heute zahlreiche Varianten gerade für den Privatpoolbereich und speziell für Fertigbecken, die gestalterisch sehr ansprechend sind.


Neben einer umfangreichen Auswahl an keramischen Fliesen und Platten werden außerdem keramische Formteile für die schwierigen Anschlussbereiche eines Schwimmbeckens angeboten. Zu den klassischen Formteilen gehören die Rinnenkonstruktionen, die es in verschiedenen Ausführungen gibt. Die am häufigsten vorkommenden Systeme sind:

  • Finnische Rinne: Man erkennt sie an der schiefen Ebene, die von der Beckenwand zum Umlauf hin anstiegt, und die gerillte Griffplatte mit Sicherheitsmarkierung. Das Wasser läuft strandartig auf. Der Wasserspiegel beruhigt sich dadurch schnell. Dazu bietet diese Rinnenkonstruktion noch weitere Vorteile: Der Wasserspiegel befindet sich auf oder über dem Niveau des Beckenumgangs, die Rundumsicht für die Badenden ist gewährleistet, es hängt keine „Chlorglocke“ über dem Becken, somit erfolgt auch keine Geruchsbelästigung. Die Ablaufrinne kann vom Umgang aus gereinigt werden. Dazu bietet die Finnische Rinne Einsparungen bei den Betonarbeiten, denn das Becken kann bei gleicher Wassertiefe bis zu 30 cm niedriger sein als bei einem tieferliegenden Wasserspiegel mit einer Rinne, die innen im Becken liegt.
  • Züricher Rinne: Als Überflutungsrinne dient hier ein Beckenrandstein mit direkt anschließendem oder auch dahinter liegendem Überlaufkanal. Der Wasserspiegel befindet sich auf oder über Niveau des Beckenumgangs. Dadurch haben die Schwimmer eine hervorragende Übersicht. Der Umgang ist vom Rand aus nutzbar.
  • Wiesbadener Rinne: Ihr typisches Kennzeichen ist die Überflutungsrinne, deren Wulst Überflutungskante und Haltegriff zugleich ist. Der Wasserspiegel befindet sich auf oder über Niveau des Beckenumgangs. Auch hier gilt: gute Übersicht für den Schwimmer, keine „Chlorglocke“ über dem Becken. Die Rinne bietet gute Haltemöglichkeit für den Schwimmer. Die Rinnenreinigung ist vom Umgang aus möglich, und der Umgang ist vom Rand nutzbar. Da bei der Wiesbadener Rinne leicht Gurgelgeräusche entstehen, empfiehlt sich der Einsatz eines Flüsterablaufs. Dieser vermeidet durch eine kontinuierliche Belüftung einen zu hohen Geräuschpegel. Der Wasserablauf erfolgt dann fast geräuschlos bei deutlich gesteigertem Wasserdurchsatz. Außerdem reduziert sich die Zahl der benötigten Abläufe, was wiederum den Installationsaufwand verringert.
  • Tiefliegende Rinne: Dieses System besteht aus einer innenliegenden Überlaufrinne, die sich 30 cm oder mehr unter dem Beckenumgang befindet. Die Vorteile sind: Wellenbrechung durch eine Schrägplatte und gute Haltemöglichkeiten für den Schwimmer am Innenwulst. Früher fand man dieses Rinnensystem meist bei Therapiebecken. Heute wird diese Variante zunehmend bei Hotelbädern oder auch Privatpools realisiert, die sich in Hanglage befinden.


Darüber hinaus gibt’s natürlich noch andere Rinnenkonstruktionen wie zum Beispiel Beton-Fertigteilrinnen, die mit Fliesen oder Folien ausgekleidet werden.

Mittlerweile gibt es auch zahlreiche interessante Rinnenlösungen auch für Fertigbecken. „Die Rinne ist bei uns immer ein durchgehender fester Bestandteil des Beckenkörpers“, erklärt beispielsweise Olaf Wendler von Vario Pool System in Minden, ein Hersteller von PVC-Schwimmbecken, „und grundsätzlich aus dem gleichen Material wie das Becken selbst“. Die Herstellung des Beckens findet auf einer Form statt. Aus dem PVC-Plattenmaterial wird das komplette Becken aufgebaut inklusive Treppen, Buchten, Sitzbänke und eben auch die Rinne. Dann wird der Beckenkörper von außen beschichtet, und es wird die Stahlverstärkung daran montiert. Wendler: „Da jedes Becken individuell und einzeln gebaut wird, können wir die Rinne so bauen, wie sie vom Kunden gefordert wird.“

Stark in Mode gekommen sind Rinnen, die nur 20 mm flach sind und dann verfliest werden, so dass ein optischer Übergang zum Fliesenbelag des Beckenumgangs geschaffen wird. Diese Rinnen haben, um ihre optische Wirkung zu verstärken, keinen Rost, aber alle 1,5 m einen Rinnenablauf aus Edelstahl. Problemlos können die Rinnen zum Beispiel mit Mosaiken ausgekleidet werden.

Ein Kriterium für die Konstruktion einer Überlaufrinne ist zunächst einmal ihre Größe. Hierzu muss man berücksichtigen: Wie hoch ist die Umwälzleistung des Beckens, der zu erwartende Wellenaustrag und die Zahl und Leistung der vorhandenen Wasserattraktionen wie Luftsprudelbänke und Schwallduschen, die auch einen zusätzlichen Wasseraustrag bewirken. Was die Form der beiden Kanten betrifft, so gibt es immer wieder unterschiedliche Kundenvorgaben: Mal soll die Überlaufkante geneigt sein, zum einen damit der Schwimmer eine Griffkante hat, zum anderen damit der Eindruck eines etwas erhöhten Wasserspiegels erzeugt wird und man bessere Sicht in den Raum hat. Die Griffkante wird dann um etwa 5 bis 15° geneigt. Das Wasser steht bis zur Rinnenkante an.

Eine immer beliebter werdende Variante ist auch, die Rinne auf einer Seite abzusenken und einen freien Überlauf zu schaffen mit tief liegender Rinne, um den freien Blick in die Landschaft zu ermöglichen. Oder es wird die Beckenwand auf einer Seite ganz abgesenkt und eine Scheibe eingebaut. Dann läuft das Wasser über die Kante und die Scheibe hinunter in die Rinne. Dies funktioniert sowohl bei Freibecken als auch bei Hallenbädern, wenn das Becken entweder eine eingelassene Scheibe hat oder unmittelbar an eine Scheibe grenzt, wie es bei Hallenbädern gerne gemacht wird, so dass die Schwimmer freien Ausblick in die Landschaft haben. Dies kann alles gebaut werden und wird auch von der hydraulischen Seite her exakt berechnet.

Ein großes Thema sind Rinnenablaufgeräusche geworden. Die Ursachen dafür sind ebenfalls vielfältig: Die Geräuschkulisse kann unangenehm laut werden, wenn zu wenig Rinnenabläufe eingeplant wurden, wenn sie durch den Volumenstrom zu sehr belastet sind oder die Rinne zuviel Gefälle hat. Grundsätzlich  gibt es keine Überlaufrinne komplett ohne Wassergeräusche. Diese können jedoch erheblich reduziert werden. Eine Möglichkeit ist, dass die innere Wand der Überlaufrinne nicht senkrecht, sondern in einem Winkel von 15 bis 25° verläuft, so dass das Wasser nicht in die Rinne fällt, sondern leise abläuft. Denn der größte Schalldruck entsteht dort, wo Wasser in Wasser fällt. Das beste Beispiel ist ein Wasserfall. Eine große Menge Wasser fällt senkrecht nach unten, reißt dabei viel Luft mit und fällt unter großem Getöse in das Wasser darunter. Läuft das Wasser aber eine Schräge hinab, sind die Fließgeräusche vergleichsweise gering.

Die Rinnen sind in der Regel breit genug, dass das Wasser noch zu den Abläufen gelangen kann. Es bleibt noch genug Rinnenboden in gerader Form, dass die Abläufe eingebaut werden können. Es ist auch möglich, dass der Rinnenboden im Gefälle verlegt wird. Dann werden ein Hochpunkt und ein Tiefpunkt definiert, und man platziert an dem Tiefpunkt die Rinnenabläufe. Das wird dann notwendig, wenn ein Becken direkt an die Wand gebaut werden muss und kein Platz mehr bleibt für die Verrohrung und die Rinnensammelleitung. Auch bei der Konstruktion ist es möglich, eine schräge Seite in die Rinne zu bauen.

Sehr vielfältig sind auch die Möglichkeiten bei Auswahl der Abdeckroste. Wenn von den Bauherren nichts anderes gewünscht ist, werden häufig noch die Kunststoff-Rollroste verwendet, die es in verschiedenen Farben gibt. Alternativ gibt’s den Rost auch in Edelstahl oder sogar in Holz. Des Weiteren können die Bauherren zwischen Rosten mit Querstäben und solchen mit Längsstäben wählen. Sehr edel wirkt auch die überdeckte Rinne, wie sie bei hochwertigen Pools neuerdings gerne verwendet wird. Für die Überdeckung werden dann häufig Platten aus einem Granitstein genommen, der dem Beckenumgang angeglichen ist, oder Edelstahlplatten mit Mosaiksteinen belegt. Für das überlaufende Wasser bleibt dann ein schmaler Schlitz, um darin zu verschwinden. Und bei sehr flachen Rinnen kann auch, wie oben erwähnt, ganz auf einen Rost verzichtet werden.

Um bei großem Wasseraustrag, wenn beispielsweise mehrere Wasserattraktionen laufen, keine Überschwemmung im Umgang zu verursachen, empfiehlt es sich, die Außenkante des Granitsteins einige Millimeter höher anzulegen. Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit, den ganzen Umgang geneigt zu bauen, um einen Strandeffekt zu erzielen. Auf jeden Fall muss der mögliche Wasseraustrag vorher hydraulisch berechnet werden. Steinplatten statt der üblichen Roste empfehlen sich aber nicht nur aus optischen Gründen: Wenn es sich beispielsweise um Mineral- oder Thermalbecken handelt, kommt es leicht zu Ablagerungen an den Rosten, die sehr unschön wirken. Bei Granitplatten ist diese Gefahr deutlich geringer.

Stichwort: Rückspülgeschwindigkeit

Ob die Rückspülgeschwindigkeit ungenügend ist, kann man in einem kleinen Test feststellen:

  1. Filter immer gründlich und regelmäßig rückspülen
  2. Eine Flockkartusche in den Skimmer legen
  3. Nach drei Tagen erneut rückspülen, dabei das Rückspülwasser im Schauglas beobachten. Das Rückspülwasser muss milchig-undurchsichtig aussehen. Spätestens nach einer Minute muss das Wasser wieder klar werden. Wenn es kaum trübe abläuft bzw. das Ablaufen des trüben Wassers deutlich länger als eine Minute dauert, so ist sicher, dass die Rückspülung nicht vollständig erfolgt.