Es muss nicht immer ein Neubau sein. Für die Sanierung von Poolanlagen gibt es heute langjährig bewährte Methoden. Wir stellen einige Verfahrenstechniken vor.

Frisch herausgeputzt

Wenn aufgrund von Alterungs- und Abnutzungserscheinungen das Schwimmbad stark gelitten hat, wird eine Sanierung des Beckens meist unumgänglich. Zur Modernisierung bietet der Schwimmbadmarkt ein breites Spektrum an technisch ausgereiften Lösungen an. Zwei bewährte Teilmaßnahmen zur Sanierung sind der Einbau einer Überlaufrinne aus Fertigelementen und die Abdichtung mit einer Beckenauskleidung aus gewebeverstärkten Kunststoffbahnen.

Überlaufrinnen zeichnen sich in erster Linie durch einen sehr guten Reinigungseffekt aus. Gerade die von Verschmutzungen unmittelbar betroffene Wasseroberfläche und die darunter liegenden Wasserschichten werden über die Überlaufrinne auf kürzestem Wege und vollständig abgezogen und der Aufbereitungsanlage zugeführt. Das abgebadete Wasser kann so über die Rinne allseitig, gleichmäßig und kontinuierlich abfließen. Schmutzige und schmierige Ränder in Höhe des Wasserspiegels, die sich oft nur mit einigem Aufwand entfernen lassen, gehören der Vergangenheit an. Schmutzstoffe finden am Beckenrand kaum noch Angriffspunkte. Schwimmbecken mit Überlaufrinne wirken durch den breiten, umlaufenden Rand um einiges größer. Der ebene Wasserspiegel bildet mit dem Umgangsbereich eine barrierefreie Einheit, die den Blick beim Schwimmen in der Regel nicht durch Beckenwände verstellt. Das vermittelt ein Gefühl von Weite und Freiheit.


Der Einbau von Fertigteilrinnen aus Beton oder Kunststoff erweist sich in der Regel als wirtschaftlich und zeitsparend. Die Anlieferung der Rinnensegmente auf die Baustelle erfolgt als fertiger Bausatz. Entsprechend kurz ist die Montagezeit. Unabhängig von der Beckenform – egal ob rechteckig, rund oder freigeformt: Die einzelnen Rinnensegmente werden im Werk vorgefertigt und sind im Stoßbereich bereits passgenau geschnitten. Die Maßhaltigkeit der Rinnenteile erlaubt eine gleichbleibend hohe Ausführungsqualität. Rinnenteile werden im Mörtelbett verlegt und ausgerichtet. Über ein Justiersystem lässt sich die Überlaufkante jedes Teilstücks exakt im Niveau des Wasserspiegels einstellen. Anschließend werden die Fugen im Stoßbereich verspachtelt. So entsteht ein geschlossener und ebener Untergrund für die späteren Abdichtungsmaßnahmen. Durchbrüche für jeden Rinnenablauf stellt man entweder vor Ort mittels Kernbohrung her oder passt sie bereits während der Vorfertigungsphase ein.

Wie die Sanierung und Neuverlegung einer Überlaufrinne aussehen kann, beschreibt die Firma Reinhardt-Plast. Bei der Sanierung einer vorhandenen Rinne muss der alte Beckenkopf mit einer Betonsäge abgetrennt werden. Anschließend wird der Beckenkopf für das spätere Setzen der Rinnensteine präpariert. Die Verrohrung für den Rinnenablauf wird justiert und der armierte Beckenkopf mit Beton ausgegossen. Wichtig ist: Die Oberfläche des Beckenkopfs muss planeben sein. Die einzelnen Rinnensteine werden jetzt auf den betonierten oder gemauerten Beckenkopf gesetzt. Die RRSys-Überlaufrinnen gibt es im Standard für die Rinnenrostbreiten von 200 bis 400 mm. Besondere Abmessungen in Breite, Tiefe und Formgebung des Rinnensteins sind möglich. Dabei sollte das Mörtelbett eine Dicke von ca. 30 mm aufweisen. An einer vorher gespannten Richtschnur – die Bezugspunkte werden vorher mit einem umlaufenden Laser ermittelt – wird der Rinnenstein ausgerichtet und auf das Mörtelbett gesetzt. Auf der Innen- und Außenseite wird mit mehreren Holzkeilen an jeweils mindestens zwei Stellen das Segment auf dem noch weichen Mörtelbett fixiert. Anschließend wird jeder Rinnenstein am Anfang und Ende des Segments auf den richtigen Sitz überprüft und die genaue Sitzhöhe der Handfasse an ihrem Scheitelpunkt nochmals mit einem umlaufenden Lasergerät überwacht. Dabei ist darauf zu achten, dass der Laser fest auf der Beckensole installiert ist und nicht verrücken kann. Mit geeignetem Spezialwerkzeug wie zum Beispiel eine Betonkreissäge können die Rinnensteine bei Bedarf gekürzt werden. Auch Winkelschnitte zur Ausbildung von Ecken oder unterschiedlichen Radien sind möglich. Mit dieser Methode können die unterschiedlichsten Beckengeometrien, egal ob Standard rechteckig oder freiform, hergestellt werden.


Auch die Abdichtung mit Beckenauskleidungen aus gewebeverstärkten Kunststoffbahnen ist eine bewährte Methode. Die Planung ist relativ einfach, die Kosten bleiben überschaubar, man hat alle gestalterischen Möglichkeiten und kann sogar ausgefallene architektonische Iden verwirklichen. Eine breite Auswahl an Dekors und Farben wird geboten, projektbezogene Sonderlösungen sind ebenfalls möglich. Die Bahnen sind reißfest, bleiben aber trotzdem ausreichend elastisch und fühlen sich angenehm an. Dichtungsbahnen aus Kunststoff, meist nur kurz Folie genannt, sind meist zwischen 0,8 und 1,5 mm stark. Ihre Vorteile: Sie sind preisgünstig und schnell verlegt. Ein 8 x 4 m Becken ist in etwa zwei Tagen ausgekleidet. Für Treppen und Einbauteile ist noch einmal etwa ein Tag zu veranschlagen. Ein weiterer Vorteil: Schwimmbecken aus wasserundurchlässigem Beton sind frostempfindlich, Folien nicht.

Im Prinzip kann jeder statisch einwandfreie Beckenkörper mit Folie ausgekleidet werden, denn die Folie passt sich leicht jeder Beckenform an. Die Methode wird gerne bei Sanierungen eingesetzt, weil die Folie leicht in bestehende Becken und Schwimmhallen eingebracht werden kann. Jedes vorhandene Becken, egal ob Fliese, Kunststoff, Edelstahl oder ein anderes Material: Jeder Pool kann so auf einfache Weise neu ausgekleidet werden. Der Untergrund braucht auch gar nicht wasserdicht zu sein, sondern nur statisch tragend und trocken. Die Folie an sich ist wasserdicht, vorausgesetzt natürlich sie ist fachgerecht verlegt.

Zuerst wird auf dem Untergrund ein Polyestervlies verlegt. Das als Trennlage eingesetzte Vlies fungiert dann auch als Drainageschicht. Denn auch wenn die Folie dicht ist, kann Wasserdampf eindringen. Die Menge ist aber minimal und beträgt bei einem 8 x 4 m Becken nicht mal einen 10 Liter-Eimer im Vierteljahr. Wenn ein Sekundärablauf vorhanden ist, stellt dies kein Problem dar. Nach dem Verlegen des Vlieses werden die Dichtungsbahnen am Beckenkopf befestigt und die Bodenbahnen durch Ausbildung einer Hohlkehle an die Wandbahnen angeschweißt. Für Bereiche, die besonders rutschsicher ausgeführt werden müssen, werden Bahnen mit einer speziell geprägten und rutschsicheren Oberfläche verwendet. Die Halterung der Bahnen am Beckenrand erfolgt in der Regel an vorher montierten Verbundblechen. Nach dem Ausrichten und Anheften der Folie wird die nahtlose Verschweißung mit dem Folienblech vorgenommen. Durch den Wasserdruck wird dann die Bahn an den Beckenkörper angepresst. Die Folie macht auch Setzungen des Beckenkörpers problemlos mit. Bei dem Warmluft-Schweißverfahren ist darauf zu achten, dass die korrekte Schweißtemperatur und eine angepasste Geschwindigkeit eingehalten werden. Somit werden Materialverbrennungen oder „Scheinschweißungen“ vermieden. Diese Stellen würden später undicht. Nach der kompletten Verschweißung wird der Folienüberstand mit einem scharfen Messer abgeschnitten. Einbauteile wie Zu- und Abläufe, Scheinwerfer und Wasserattraktionen rüstet man zum Anschluss an die Bahnen mit Flanschen aus. Damit sind auch diese Bauteile dauerhaft dicht und sicher angeschlossen. Darüber hinaus ist es üblich, die Rinne komplett mit der Folie auszukleiden. Bei formschönen Keramikrinnen kann sie auch unter der Rinne hindurchgezogen werden. Die Folien der Markenhersteller sind KSW-zertifiziert. Das heißt sie sind als Kunststoffe für den Einsatz im Trinkwasserbereich zugelassen und geben keine Stoffe ans Wasser ab.